Teil 2 von 7: IT-Sicherheit Basics für kleine Unternehmen22. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Windows 10 ist tot – was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Seit Oktober 2025 gibt es für Windows 10 keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr. Was das für kleine Unternehmen heißt und welche vier Wege jetzt offenstehen. Teil 2.

Von Andreas Bögl-David, IT-Berater aus Fürth

Vor einem Jahr, am 14. Oktober 2025, hat Microsoft die kostenlosen Sicherheitsupdates für Windows 10 eingestellt. Am Rechner selbst hat sich seitdem nichts verändert. Er startet wie immer, die Programme laufen, die Buchhaltung auch. Und genau deshalb steht in vielen Büros, Praxen und Werkstätten in der Region Nürnberg, Fürth und Erlangen noch immer mindestens ein Windows-10-Rechner.

Das Problem sieht man nicht. Aber es wird jeden Monat größer.

Was „Support-Ende“ konkret bedeutet

Ihr Rechner hört nicht auf zu funktionieren. Er hört nur auf, repariert zu werden.

Microsoft veröffentlicht jeden zweiten Dienstag im Monat Sicherheitsupdates, den sogenannten Patchday. Viele der Lücken, die dabei für Windows 11 geschlossen werden, stecken auch in Windows 10. Nur dort bleiben sie offen. Für Angreifer ist jeder Patchday damit eine neue Schatzkarte: Die Beschreibung der Lücke ist öffentlich, der Fix für Windows 10 kommt nie.

Ein paar Dinge laufen noch eine Weile weiter, etwa die Updates für den Virenschutz Microsoft Defender und für die Microsoft-365-Apps bis Oktober 2028. Das klingt beruhigend, ist es aber nur bedingt: Ein aktueller Virenscanner auf einem ungepatchten Betriebssystem ist wie eine Alarmanlage an einem Haus, dessen Hintertür nicht mehr abschließt.

Warum das mehr ist als ein Technikproblem

Wer personenbezogene Daten verarbeitet, muss sie nach Art. 32 DSGVO mit Maßnahmen schützen, die dem Stand der Technik entsprechen. Ein Betriebssystem, für das bekannte Lücken nicht mehr geschlossen werden, ist das Gegenteil davon. Das betrifft Patientendaten in der Praxis genauso wie Mandantenakten in der Kanzlei oder die Kundenkartei im Handwerksbetrieb.

Falls Sie eine Cyberversicherung haben: Werfen Sie einen Blick in die Bedingungen. Viele Policen setzen voraus, dass Systeme mit aktuellen Sicherheitsupdates versorgt werden. Im Schadensfall ist das keine Diskussion, die man führen möchte.

Schritt 1: Wissen, was Sie haben

Bevor Sie entscheiden, brauchen Sie einen Überblick. Das geht an jedem Rechner in einer Minute:

  • Windows-Version prüfen: Windows-Taste drücken, winver eintippen, Enter. Das Fenster zeigt, ob Windows 10 oder 11 läuft.
  • Windows-11-Tauglichkeit prüfen: Microsofts kostenlose App PC-Integritätsprüfung sagt Ihnen, ob der Rechner die Voraussetzungen erfüllt.
  • Notieren, welcher Rechner wofür genutzt wird und welche Spezialsoftware darauf läuft: Praxissoftware, Warenwirtschaft, ein Programm für die Maschine in der Werkstatt.

Prüfen Sie dabei auch gleich die Office-Version. Office 2016 und 2019 bekommen seit Oktober 2025 keine Updates mehr, Office 2021 seit Oktober 2026.

Vier Wege raus aus Windows 10

1. Kostenloses Upgrade auf Windows 11

Wenn die Hardware passt, ist das der einfachste Weg. Der Umstieg selbst kostet keine Lizenzgebühr. Die wichtigsten Voraussetzungen sind ein Prozessor ab etwa Intel Core der 8. Generation oder AMD Ryzen 2000 sowie ein Sicherheitschip namens TPM 2.0.

Ein häufiger Fall aus der Praxis: Die PC-Integritätsprüfung meldet „nicht kompatibel“, obwohl der Rechner gar nicht so alt ist. Oft ist dann nur der TPM-Chip im BIOS deaktiviert. Das lässt sich in wenigen Minuten ändern.

Wichtig: Vor dem Upgrade gehört eine Datensicherung gemacht, und der Hersteller Ihrer Spezialsoftware sollte bestätigen, dass sie unter Windows 11 läuft.

2. Neue Hardware

Ist der Rechner sieben Jahre oder älter, lohnt sich ein Upgrade meist nicht mehr. Die Hardware ist langsam, Ersatzteile werden knapp, und das nächste Problem kommt bestimmt. Ein neuer Business-Rechner mit Windows 11 Pro ist dann die wirtschaftlichere Lösung.

Achten Sie auf Windows 11 Pro statt Home: Nur damit lassen sich Festplattenverschlüsselung mit BitLocker und zentrale Sicherheitsrichtlinien sauber einrichten. Für einen Firmenrechner ist das Pflicht, kein Luxus.

3. Bezahlte Verlängerung (ESU) als Brücke

Microsoft bietet Unternehmen Extended Security Updates an: Sicherheitsupdates gegen Gebühr, maximal bis Oktober 2028. Der Haken ist der Preis. Er lag im ersten Jahr bei 61 US-Dollar pro Gerät und verdoppelt sich jedes Jahr. Das zweite Jahr hat am 14. Oktober 2026 begonnen und kostet 122 US-Dollar, das dritte 244 US-Dollar.

Und weil die Jahre aufeinander aufbauen, muss wer jetzt einsteigt, das erste Jahr nachzahlen, also 183 US-Dollar pro Rechner für zwei Jahre Galgenfrist. ESU setzt außerdem Windows 10 in Version 22H2 voraus und liefert nur Sicherheitsfixes, keine Fehlerbehebungen und keinen Support.

ESU lohnt sich deshalb nur für einzelne Rechner, die sich wirklich nicht sofort ersetzen lassen, etwa weil eine Maschine oder ein Medizingerät daran hängt und der Hersteller noch keine Windows-11-Version liefert. Als Dauerlösung ist es zu teuer.

Das kostenlose ESU-Angebot für Privatkunden in der EU ist übrigens für private Rechner gedacht und keine Lösung für Firmengeräte.

4. Linux oder Thin Client

Viele Arbeitsplätze brauchen eigentlich gar kein Windows. Wer hauptsächlich im Browser arbeitet, E-Mails schreibt und auf Dateien im Netzwerk zugreift, kommt mit einem modernen Linux genauso gut zurecht und bekommt auf älterer Hardware noch jahrelang Sicherheitsupdates.

Noch einen Schritt weiter gehen Thin Clients: schlanke Geräte, die ihre Programme von einem zentralen Server beziehen. Statt zwölf Rechner einzeln zu pflegen, wird nur noch der Server gewartet. So läuft zum Beispiel eine Physiotherapie-Praxis in Fürth, die ich betreue: zwölf Behandlungsräume, ein zentrales, gewartetes System.

Das ist nicht für jeden Betrieb der richtige Weg. Aber wenn ohnehin Hardware ersetzt werden muss, ist jetzt der beste Moment, darüber nachzudenken.

Wovon ich abrate

Im Internet kursieren Anleitungen, wie man Windows 11 mit Tricks auf Rechnern installiert, die die Voraussetzungen nicht erfüllen. Für den privaten Bastelrechner mag das in Ordnung sein. Für einen Firmenrechner nicht: Microsoft behält sich vor, solchen Geräten Updates vorzuenthalten. Damit hätten Sie das ursprüngliche Problem nur verschoben, und zwar auf einen Zeitpunkt, den Sie nicht selbst bestimmen.

Ein realistischer Fahrplan

Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzehn Arbeitsplätzen ist der Umstieg kein Großprojekt, sondern eine Sache von einigen Abenden oder Wochenenden:

  1. Bestandsaufnahme aller Rechner mit Version, Alter und Spezialsoftware.
  2. Entscheidung pro Gerät: Upgrade, Ersatz, Brücke mit ESU oder Thin Client.
  3. Datensicherung, bevor irgendetwas angefasst wird.
  4. Umstellung außerhalb der Arbeitszeit, ein Rechner nach dem anderen.
  5. Kurzer Test am nächsten Morgen: Drucker, Spezialsoftware, Netzlaufwerke.

Bei einem Teil davon können Sie selbst Hand anlegen. Wenn Sie lieber jemanden haben, der das plant und umsetzt, während Sie weiterarbeiten: Genau das gehört zu meiner IT-Betreuung für kleine Unternehmen. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, welche Ihrer Rechner betroffen sind und was der Umstieg realistisch kostet.

Im nächsten Teil geht es um Schritt 3 aus dem Fahrplan, und um die Frage, die sich jeder Betrieb ehrlich stellen sollte: Würde Ihr Backup Sie im Ernstfall wirklich retten?


Diese Serie im Überblick:

  1. IT-Sicherheit für kleine Unternehmen: Warum 20 % Aufwand 80 % Schutz bringen
  2. Windows 10 ist tot – was das für Ihr Unternehmen bedeutet (dieser Beitrag)
  3. Das Backup, das Sie retten wird – oder auch nicht (folgt)
  4. Ein Passwort, das Sie sich nicht merken können – und warum das gut so ist (folgt)
  5. Updates: Die Schutzmaßnahme, die Sie schon bezahlt haben (folgt)
  6. Die Fritzbox aus dem Gründungsjahr: Ihr Netzwerk in 90 Minuten sicherer (folgt)
  7. Und jetzt? Vom Wissen zum Umsetzen (folgt)
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